Bündnisgrüne Elbe-Elster: Renaturierung muss Priorität bekommen
Bei einer Begehung der Schwarzen Elster in Plessa hat sich die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Andrea Lübcke am Mittwoch gemeinsam mit dem Bündnisgrünen Kreisverband Elbe-Elster ein Bild von den niedrigen Wasserständen vor Ort gemacht. Vor der Brücke an der Ortrander Straße, kurz vor der Einmündung des Hammergrabens, lag der Wasserstand nur noch bei etwa 20 bis 30 Zentimetern. Andrea Lübcke und Melanie Ritter, Sprecherin des Kreisverbands der Bündnisgrünen Elbe-Elster, konnten den Fluss dort mit hochgekrempelten Hosen durchqueren.
„Der niedrige Wasserstand an der Schwarzen Elster ist ein ernstes Warnsignal. Ein Fluss, der stellenweise nur noch wenige Dezimeter Wasser führt, zeigt, wie stark die Region unter Trockenheit und einem veränderten Wasserhaushalt leidet. Die Schwarze Elster wurde über Jahrzehnte begradigt und von großen Teilen ihrer Aue getrennt. Das rächt sich in Zeiten von Hitze und Dürre besonders deutlich“, sagt Andrea Lübcke.
Vor ihrem kanalartigen Ausbau und der Begradigung im 19. Jahrhundert hatte die Schwarze Elster einschließlich ihrer Altarme eine Länge von über 500 Kilometern. Heute sind von der Quelle bis zur Mündung in die Elbe nur noch knapp 180 Kilometer geblieben. Über lange Zeit wurde abgepumptes Grundwasser aus den Lausitzer Braunkohletagebauen in die Schwarze Elster abgeleitet. Mit dem Rückgang dieser Einleitungen verändert sich auch die Wasserführung des Flusses. In den vergangenen Jahren fielen einzelne Abschnitte der Schwarzen Elster im Sommer immer wieder trocken.
„Im Prinzip wissen wir alle, was zu tun ist: Die Schwarze Elster braucht wieder mehr Raum. Wasser muss länger in der Landschaft gehalten werden, damit Böden, Grundwasser und der Fluss selbst besser durch Trockenzeiten kommen. Dafür braucht es mehr Renaturierung, wieder angeschlossene Altarme und Auenflächen, die Wasser aufnehmen können. Hochwasser- und Niedrigwasserschutz gehören an der Schwarzen Elster zusammen gedacht“, macht Melanie Ritter deutlich.
Ritter fordert: „Renaturierungsprojekte an der Schwarzen Elster müssen beim Bund endlich Priorität bekommen. Die Menschen hier erleben längst, was es bedeutet, wenn Flüsse austrocknen und Landschaften Wasser verlieren. Die Region braucht verlässliche Unterstützung, damit aus Plänen echte Maßnahmen werden.“
Für die Schwarze Elster liegt bereits ein Projektvorhaben des Aktionsbündnisses Schwarze Elster zur Revitalisierung des Flusses und seiner Auen in Brandenburg vor. Das Projektgebiet umfasst rund 32.700 Hektar und etwa 100 Kilometer Fließgewässer an der Schwarzen Elster sowie an ihren Nebenflüssen. Vorgesehen sind unter anderem Deichrückverlegungen, Altarmanschlüsse und die Rückgewinnung von Auenflächen. Ziel ist es, die Aufnahmefähigkeit der Landschaft für Wasser zu erhöhen und die Region besser gegen Dürre und Hochwasser zu schützen. Die Vorhaben sollen aus Mitteln des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz der Bundesregierung gefördert werden.
Lübcke erklärte, sie wolle sich in Berlin nach dem Stand der geplanten Renaturierungsprojekte erkundigen und prüfen, was der Bund zu einer schnelleren Umsetzung beitragen könne.