Gewachsenen Strukturen lassen sich nicht einfach abschalten und später auf Knopfdruck wieder aufbauen
Die Bundesregierung will das Projekt „Good Gaming Support“ der Amadeu Antonio Stiftung trotz massiver Kritik zum Ende des Jahres 2026 auslaufen lassen. Das geht aus der Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Dr. Andrea Lübcke hervor. Zugleich kündigt die Bundesregierung an, Gaming und digitale Demokratiebildung künftig in einer neuen Programmebene „Digitaler Raum“ im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zu verankern. Konkrete Maßnahmen und Fördervolumina nennt sie nicht.
„Die Bundesregierung beendet mit Good Gaming Support ein anerkanntes Projekt, bevor dessen Evaluation überhaupt abgeschlossen ist. Das ist kein faktenbasierter Umbau, sondern eine politische Entscheidung nach ideologischen Maßstäben. Union und SPD übernehmen mit der Zerschlagung bewährter Projekte einen Kurs, den die rechtspopulistische AfD seit Jahren fordert, und setzen kritische zivilgesellschaftliche Organisationen unter Druck. Gerade dort, wo Hass, Desinformation und rechtsextreme Ansprache in digitalen Communities stattfinden, darf vorhandene Expertise nicht leichtfertig zerschlagen werden“, kritisiert Andrea Lübcke, Bundestagsabgeordnete und Berichterstatterin für Gamespolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Good Gaming Support arbeitet genau in dem Bereich, den Ministerin Prien selbst als wichtig bezeichnet hat: in Gaming-Communities und digitalen Räumen. Das Projekt bündelt Fachwissen aus der Community und berät zivilgesellschaftliche Organisationen, Plattformbetreiber, staatliche Stellen und Content Creator*innen.
„Solche gewachsenen Strukturen lassen sich nicht einfach abschalten und später auf Knopfdruck wieder aufbauen. Ein Hohn ist der Hinweis der Bundesregierung, die Amadeu Antonio Stiftung könne sich künftig erneut auf Ausschreibungen bewerben. Erst wird ein funktionierendes Projekt beendet, dann sollen die Träger um die Fortsetzung ihrer eigenen Arbeit konkurrieren. Das schafft keine Kontinuität, sondern Unsicherheit für Beschäftigte, Partnerorganisationen und vor allem für die Menschen, die auf diese Arbeit angewiesen sind“, so Lübcke.
Als „einzigen Lichtblick“ bewertet die Gamespolitik-Berichterstatterin die Ankündigung, die Programmebene „Digitaler Raum“ dauerhaft im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zu verankern. Das könne eine wichtige Grundlage sein, um digitale Demokratiebildung und den Umgang mit Hass im Netz langfristig zu stärken. Bislang bleibe allerdings völlig offen, welche Maßnahmen konkret geplant sind, wann sie beginnen und mit welchen Mitteln sie finanziert werden.