Minister Crumbach leitet einen gefährlichen Paradigmenwechsel ein
Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert die Äußerungen von Verkehrsminister Robert Crumbach zu möglichen Landungen am BER nach Mitternacht. Crumbach (SPD) hatte erklärt, dass die Obere Luftfahrtbehörde in besonderen Fällen auch spätere Landungen zulassen könne. Bislang wurden solche Ausnahmen sehr streng gehandhabt.
„Minister Crumbach leitet einen gefährlichen Paradigmenwechsel ein. Heute geht es angeblich nur um einen einzelnen Flieger um 0.10 Uhr. Eine großzügigere Auslegung kann jedoch schnell zum Präzedenzfall werden. Aus seltenen Ausnahmen darf kein neuer Alltag entstehen. Das Nachtflugverbot darf nicht schleichend ausgehöhlt werden“, mahnt Andrea Lübcke.
Eine vorübergehend geringere Zahl an Flugbewegungen ändere nichts an der Situation der Menschen im Flughafenumfeld. Auch einzelne Landungen nach Mitternacht könnten viele Anwohnende aus dem Schlaf reißen. „Eine verlässliche Nachtruhe bleibt deshalb ein zentraler Bestandteil des Gesundheitsschutzes“, fordert die Eichwalderin.
Auch aus der Wissenschaft kommen deutliche Warnungen, wie zahlreiche Studien belegen. So verweist unter anderem der Kardiologe Thomas Münzel auf die erheblichen gesundheitlichen Folgen von nächtlichem Fluglärm. Dauerhafte Lärmbelastung kann den Blutdruck erhöhen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Während des Schlafs ist der Körper dabei besonders empfindlich.
„Leisere Flugzeuge zeigen, dass die Anreize für lärmmindernde Flugverfahren und moderne Maschinen am BER wirken. Das ist gerade wegen der dicht besiedelten Gebiete unter den Flugrouten wichtig. Auf diesen Fortschritten muss der Verkehrsminister aufbauen und den Gesundheitsschutz weiter stärken. Eine Aufweichung der Nachtflugregelungen wäre grundfalsch. Der Schutz der Gesundheit muss Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen des Flughafenbetriebs haben“, stellt Lübcke klar.
Auch die Neuberechnung der Schallschutzgebiete darf nicht zu weniger Schutz führen. Vorübergehend niedrigere Verkehrszahlen sind keine belastbare Grundlage für dauerhafte Einschränkungen. Der BER strebt selbst wieder steigende Passagierzahlen und Flugbewegungen an.
Hagen Bork, bündnisgrüner Gemeindevertreter in Eichwalde und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt, Flughafen und Ordnung der Gemeindevertretung, kritisiert die Entwicklung ebenfalls: „Seit Jahrzehnten werden Grenzen beim Flughafen immer wieder infrage gestellt und zu Ungunsten der Anrainer verschoben. Dafür werden stets neue Begründungen gefunden. Das muss ein Ende haben.“
Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits 2006 klargestellt, dass ein Flughafen in einem dicht besiedelten Gebiet Einschränkungen bei seinen wirtschaftlichen Interessen hinnehmen muss. Lübcke fordert die Landesregierung deshalb auf, das bestehende Nachtflugverbot konsequent zu verteidigen und Ausnahmen weiterhin eng auszulegen.
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Mehr Information
MAZ: Bröckelt der Lärmschutz am BER? Minister Crumbach leitet Kurswechsel bei Nachtflügen ein (Bezahlschranke)
https://www.maz-online.de/lokales/dahme-spreewald/bald-mehr-nachtfluege-am-ber-minister-crumbach-sieht-spielraum-fuer-ausnahmen-E52YZT663BEUFENZABABM36DCI.html
Kardiologe Thomas Münzel fordert: Nachtflugverbot konsequent einhalten!
https://www.fluglaerm.de/wp-content/uploads/2025/04/BVF_Stellungnahme-zu-Nachtflugverbot_Kardiologe-Muenzel.pdf