Wasserkrise nicht auf private Haushalte abwälzen
Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke kritisiert die Aussagen von Umweltministerin Hanka Mittelstädt zum Wasserverbrauch privater Haushalte scharf. Die promovierte Physikerin ist Mitglied im Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Mittelstädt hatte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa angesichts sinkender Grundwasserstände vor allem das Befüllen von Pools und die Bewässerung von Gärten problematisiert. Zugleich brachte sie höhere Wasserpreise ins Gespräch.
„Die Ministerin verkennt die Lage. Brandenburgs Grundwasserstände sinken nicht, weil Menschen gelegentlich einen Pool befüllen oder ihren Garten wässern. Die Ursachen sinkender Grundwasserstände liegen viel tiefer. Industrielle Großentnahmen, Bergbaufolgen und der fehlende Wasserrückhalt gehören deshalb ins Zentrum der Debatte. Stattdessen zeigt die SPD-Ministerin auf Familien mit Garten. Das ist einseitig und hilft nicht bei der Bekämpfung der Wasserkrise“, kritisiert Lübcke.
Private Pools werden von den Wasserversorgern nicht als eigene Verbrauchsgruppe erfasst. Gleichzeitig entnehmen große Unternehmen jedes Jahr erhebliche Wassermengen. Für Industrie und Bergbau bestehen Wasserrechte über Millionen Kubikmeter. Große Entnahmen werden dabei teilweise nur mit vergleichsweise geringen Entgelten belegt.
„Private Pools und Rasensprenger in der Mittagshitze stehen nicht für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Darüber muss gesprochen werden. Die Ministerin verengt die Debatte aber auf private Haushalte und verliert die großen Stellschrauben aus dem Blick“, sagt Lübcke.
Besonders kritisch sieht die Bundestagsabgeordnete, dass Mittelstädt steigende Wasserpreise für die Bevölkerung ins Spiel bringt. Höhere Trinkwasserpreise würden vor allem Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen belasten. Schon heute können bei akuter Wasserknappheit Poolbefüllungen zeitweise eingeschränkt oder verboten werden. Dafür braucht es keine pauschalen höheren Wasserpreise für alle.
„Bevor die Landesregierung den Menschen höhere Rechnungen ankündigt, muss sie bei den großen Mengen ansetzen. Wassersparen ist eine gemeinsame Aufgabe. Die Verantwortung ist aber nicht gleich verteilt. Unternehmen mit Entnahmen von mehreren Millionen Kubikmetern müssen stärker an den Kosten beteiligt werden. Große Wasserrechte gehören regelmäßig überprüft. Genehmigte und tatsächliche Entnahmen müssen transparent gemacht werden“, fordert Lübcke.
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Mehr Informationen
dpa: „Zu günstig: SPD-Ministerin fordert höhere Wasserpreise“
https://www.focus.de/earth/spd-ministerin-fordert-hoehere-wasserpreise_4487eee8-ed61-4903-a84e-2e9fa3338db7.html