... aber Kahlschlag-Risiko bei Präventionsprojekten
Beim game-Sommerfest 2026 am 9. Juni in Berlin hat Bundesministerin Karin Prien in ihrem politischen Grußwort die Bedeutung von Games für Gesellschaft, Bildung und Demokratie aufgegriffen. Games seien längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, Gaming-Plattformen wichtige soziale Räume und digitale Demokratiebildung ein Feld, das stärker genutzt werden müsse. Zugleich stellte Prien in Aussicht, Gaming im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ stärker in den Blick zu nehmen.
„Ministerin Prien redet beim game-Sommerfest über digitale Demokratiebildung, während ihre eigenen Pläne beim Programm ‚Demokratie leben!‘ genau jene Strukturen zerschlagen, die diese Arbeit bereits leisten“, mahnt Dr. Andrea Lübcke, Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg und Berichterstatterin für Gamespolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Prien hatte in ihrem Grußwort davon gesprochen, dass digitale Räume demokratisch zurückgewonnen werden müssten. Sie nannte Moderation, Community Management und Ansätze wie „Gaming for Democracy“. Gleichzeitig stehen im Zuge des geplanten Umbaus von „Demokratie leben!“ zahlreiche bestehende Projekte unter Druck. Betroffen sind auch Initiativen, die gegen Hassrede, Desinformation, Rechtsextremismus und Antisemitismus arbeiten.
Besonders deutlich wird der Widerspruch am Projekt „Good Gaming Support“ der Amadeu Antonio Stiftung. Das Projekt gehört zu den rund 200 Innovationsprojekten im Bundesprogramm „Demokratie leben!“, die ursprünglich mehrjährig angelegt waren, nun aber vorzeitig beendet werden sollen. Dabei arbeitet „Good Gaming Support“ genau in dem Feld, das Ministerin Prien selbst als wichtig beschrieben hat: in Gaming-Communities und digitalen Räumen, in denen Hassrede, Desinformation und rechtsextreme Netzwerke auftreten. Das Projekt berät staatliche Stellen, zivilgesellschaftliche Akteure, Plattformbetreiber und Content Creator*innen und bringt dafür Expertise aus der Gaming-Community ein.
„Wir brauchen faktenbasierte Verbesserungen, keinen Kahlschlag nach politischem Bauchgefühl. Mindestens die laufende Evaluation muss abgewartet werden, bevor Fakten geschaffen werden, die später nicht rückgängig zu machen sind. Strukturen, die über Jahre Vertrauen, Expertise und Zugänge in digitale Communities aufgebaut haben, lassen sich nicht einfach abschalten und bei Bedarf wieder hochfahren“, so Lübcke.
„Games sind nicht das Problem. Digitale Räume sind ein Teil unserer Gesellschaft. Dort entstehen Gemeinschaft, Kreativität und politische Kommunikation, aber dort zeigen sich eben auch Hass und demokratiefeindliche Radikalisierung. Genau deshalb brauchen wir professionelle Projekte, die diese Räume kennen und mit der Community arbeiten. Diese Arbeit muss gestärkt statt geschwächt werden“, fordert Lübcke.