Was passiert, wenn junge Menschen ihr Potenzial nicht entfalten können? Wenn sie neben ihrem Studium so viel arbeiten müssen, dass kaum Zeit zum Lernen bleibt? Wenn sie länger studieren oder ihr Studium ganz aufgeben, weil das Geld nicht reicht? Wir diskutieren ständig über Fachkräftemangel und Wettbewerbsfähigkeit. Dabei vergessen wir manchmal, dass Investitionen in Bildung eine der wichtigsten Voraussetzungen für beides sind.
Dass die Novelle der Bundesregierung daran noch nicht genug ändert, zeigt sich beispielsweise beim Wohnen. Die Wohnkostenpauschale soll von 380 auf 440 Euro steigen, aber erst zum Sommersemester 2027, und eine einheitliche Pauschale wird den Unterschieden zwischen den Studienorten nicht gerecht: In Berlin liegt der mittlere Preis für ein WG-Zimmer bei 650 Euro, in München bei 850 Euro, und an 76 von 90 Hochschulstandorten liegt er schon heute über 380 Euro. Wir Bündnisgrüne fordern deshalb Wohnkostenpauschalen, die sich an den regionalen Mieten orientieren.
Ähnlich beim Grundbedarf, der zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro und erst im Sommersemester 2029 auf 563 Euro steigen soll. Für alle, die jetzt ihr Studium beginnen, ist das fast das Ende des Bachelors, aber das Leben muss auch heute schon bezahlt werden. Wir fordern 563 Euro jetzt und eine regelmäßige, automatische Anpassung der Bedarfssätze, damit Studierende nicht bei jeder Preissteigerung auf ein neues Gesetz warten müssen.
Gutes BAföG ist deshalb weit mehr als eine Frage sozialer Gerechtigkeit. Wir reden viel über Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräfte und Innovationen. Aber wir vergessen dabei zu oft, dass unsere wichtigste Ressource die Fähigkeiten und Ideen der Menschen ist.
Wer heute in gute Studienbedingungen investiert, stärkt die Innovationskraft von morgen. Ein gutes BAföG ist deshalb keine bloße Sozialleistung, sondern eine Zukunftsinvestition.