Zukunft gestalten – aus eigener Stärke
Deutschland ist ein exzellenter Forschungsstandort. Doch, wenn es darum geht, neue Ideen und Technologien aus dem Labor ins reale Leben zu bringen, wenn es darum geht, mit diesen Ideen aus Deutschland, das Leben besser zu machen und auch Wertschöpfung zu generieren, dann haben wir in Deutschland viel zu oft das Nachsehen. In manchen Schlüsseltechnologien ist Deutschland fast vollständig von anderen Staaten abhängig. Dabei bedeutet technologische Souveränität weit mehr als nur Wettbewerbsfähigkeit: Wer Schlüsseltechnologien nicht selbst beherrscht, wird zum Spielball der Geopolitik. Insbesondere einseitige Abhängigkeiten können dazu führen, dass man erpressbar wird. Wie anfällig auch Deutschland ist, können wir immer wieder beobachten – wenn z. B. Antibiotika oder andere Arzneimittel für Kinder fehlen oder wenn bei Automobilherstellern ein Stillstand der Bänder droht, weil Mikrochips fehlen.
Deutschland hat Know-How und die Fähigkeiten, die Technologien zu entwickeln, die die Zukunft besser und diesen Planeten lebenswert erhalten. Ob Technologien, die unsere Wirtschaft klimaneutral machen – wie eine chemische Industrie auf Basis von nachhaltigem Kohlenstoff und Wasserstoff, ob individualisierte Medizin, die endlich Therapiemöglichkeiten für schwere Krankheiten wie Krebs, ME/CFS oder multipler Sklerose versprechen, ob künstliche Intelligenz oder klimaneutrales Fliegen – Deutsche Wissenschaftler*innen haben Ideen und Antworten auf diese Herausforderungen. Es ist Aufgabe der Politik, hier ein Umfeld zu schaffen, damit diese Ideen auch erfolgreich in die Umsetzung kommen.
Schlüsseltechnologien – verstehen, gestalten, nutzen
Technologische Souveränität beginnt mit Wissen. Deshalb begleite ich im Bundestag die Umsetzung der Hightech-Agenda, in der zentrale Zukunftsfelder definiert sind. Für jede dieser Schlüsseltechnologien gilt: Sie eröffnet enorme Chancen – und wir müssen klug mit den damit verbundenen Fragen umgehen.
Mikroelektronik ist die Grundlage für fast alle digitalen Geräte – vom Smartphone bis zum E-Auto. Ihre Fertigung entscheidet über Lieferketten, Wertschöpfung und Datensouveränität. Wer hier den Anschluss verliert, verliert die Fähigkeit, Industrie, Mobilität und Digitalisierung selbst zu gestalten.
Künstliche Intelligenz kann unseren Alltag erleichtern, birgt aber auch Risiken für Diskriminierung und Datenschutz. Nur, wenn Europa eigene KI-Modelle entwickelt und betreibt, können wir sicherstellen, dass sie unseren Werten entspricht: fair, demokratisch und diskriminierungsfrei.
Quantentechnologien nutzen quantenphysikalische Effekte, um völlig neue Anwendungen zu ermöglichen – etwa in der Datenverarbeitung, der Messtechnik oder der sicheren Kommunikation. Schon heute prägen sie unseren Alltag, etwa in der Medizintechnik oder Navigation.
Biotechnologie ist die Grundlage für neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten von Krankheiten, aber auch eine Möglichkeit, Ernährung nachhaltiger zu machen und Böden und Grundwasser zu schützen. Sie ermöglicht die Nutzbarmachung von Biomarkern zur Diagnostik, die Entwicklung individualisierter Medizin, neuer Impfungen oder besser an Klimaveränderungen angepasste Pflanzen, die mit weniger Pflanzenschutz- und Düngemitteln auskommen. Sie ermöglicht aber auch, in der medizinischen Forschung Alternativen zu Tierversuchen zu entwickeln.
Dier Fusionsforschung verspricht langfristig saubere und sichere Energie und wird auf dem Weg zu einem Kraftwerk vielen neuen Technologien den Markteintritt ermöglichen. Gleichzeitig gilt: Die Transformation unseres Energiesystems darf nicht auf eine Technologie warten, deren industrielle Nutzung noch Jahrzehnte entfernt ist.
Aufgabe der Politik ist es deshalb, Forschung und Entwicklung zu ermöglichen, Chancen realistisch zu bewerten und parallel den Ausbau bereits verfügbarer klimaneutraler Technologien voranzubringen. Energiesystemstudien sind dabei unverzichtbar, um Risiken zu minimieren und tragfähige Transformationspfade zu entwickeln.
Fortschritt braucht Haltung
Technologische Entwicklungen berühren ethische, ökologische und gesellschaftliche Fragen. Im Ausschuss für Forschung, Technologie und Raumfahrt beschäftige ich mich deshalb auch mit Technikfolgenabschätzung. Fortschritt darf nicht bedeuten, dass wir Risiken ignorieren – aber auch nicht, dass wir Chancen aus Angst verpassen. Aufgabe der Politik ist es, den Weg dazwischen zu finden: offen für Neues, verantwortungsbewusst im Handeln.