Bundestagsabgeordnete Lübcke fordert Klarheit über künftige Speicherfunktion
Bei einer Begehung des Cottbuser Ostsees hat die Bundestagsabgeordnete Andrea Lübcke (Bündnis 90/ Die Grünen) gemeinsam mit der Umweltgruppe Cottbus des Umweltnetzwerks Grüne Liga auf offene Fragen zur künftigen Wasserbewirtschaftung des Sees hingewiesen. Im Mittelpunkt standen der aktuell sinkende Wasserstand, Wasserverluste durch Verdunstung und Versickerung sowie die seit Jahren diskutierte Nutzung des Cottbuser Ostsees als Wasserspeicher.
Laut der Pegellatte am Einlaufbauwerk liegt der Wasserstand Ende August 2026 bei rund 62,3 Metern NHN. Noch am 1. April 2026 hatte die LEAG einen Wasserstand von 62,6 Metern NHN angegeben. Damit ist der Wasserstand innerhalb von knapp fünf Monaten um rund 30 Zentimeter gesunken. Bei einer Wasserfläche von rund 18,7 Millionen Quadratmetern müsste der Cottbuser Ostsee rein rechnerisch seit Anfang April mehr als fünf Millionen Kubikmeter Wasser verloren haben.
„Der aktuelle Wasserrückgang zeigt sehr konkret, vor welchen wasserwirtschaftlichen Problemen wir in der Lausitz stehen. Große und vergleichsweise flache Seen verlieren insbesondere in heißen Sommern erhebliche Mengen Wasser durch Verdunstung. Hinzu kommt die Versickerung in den Untergrund“, sagt Lübcke.
Aus Sicht der Bundestagsabgeordneten müssen die zuständigen Landesbehörden daraus Konsequenzen ziehen. Noch 2022 gab es Überlegungen, den Tagebaufolgesee Welzow-Süd mit einer noch größeren Wasserfläche als den Cottbuser Ostsee anzulegen.
„Ein noch größerer Flachwassersee wäre angesichts der zunehmenden Wasserknappheit der falsche Weg. Solche Planungen dürfen die Landesbehörden künftig nicht mehr genehmigen. Die Größe eines Tagebaufolgesees muss sich daran orientieren, wie viel Wasser langfristig überhaupt zur Verfügung steht“, sagt Lübcke.
Mit dem Ende des Braunkohlebergbaus wird künftig zudem deutlich weniger Grubenwasser in die Spree gelangen. Seit Längerem wird deshalb diskutiert, den Cottbuser Ostsee als großen Wasserspeicher zu nutzen. In wasserreichen Wintermonaten könnte Wasser aus der Spree in den See eingeleitet werden (bis 5 m³m/s). In trockenen Sommermonaten könnte es mit allerdings geringerer Abflussrate (bis 2 m³/s) wieder abgegeben werden, um den Wasserstand der Spree zu stabilisieren.
Ob dieses Konzept tatsächlich sinnvoll und dauerhaft tragfähig ist, ist aus Sicht Lübckes bislang nicht ausreichend geklärt. Gerade im Sommer könnte der Wasserstand eines großen Flachwassersees durch die Verdunstung erheblich sinken.
„Die Idee klingt zunächst plausibel: Im Winter Wasser speichern und es im Sommer wieder abgeben. Der aktuelle Wasserrückgang zeigt aber, dass wir genau wissen müssen, wie groß die Verluste durch Verdunstung tatsächlich sind. Es muss geklärt werden, wie viel Wasser am Ende überhaupt noch für die Spree zur Verfügung steht“, sagt Lübcke.
Nach Angaben der LEAG ist für 2027 der Bau des Auslaufbauwerks am Cottbuser Ostsee vorgesehen – über den Ableiter Schwarzer Graben. Für Lübcke drängt deshalb die Zeit.
„Bevor dort dauerhaft gebaut wird, muss geklärt sein, welche Aufgabe der Cottbuser Ostsee künftig übernehmen soll. Soll der See als Speicher dienen, muss auch das Auslaufbauwerk darauf ausgelegt sein. Andernfalls drohen später teure Umbauten“, sagt Lübcke.
Die Einrichtung eines Speichers wäre eine Aufgabe des Landes Brandenburg. Damit könnten dauerhaft erhebliche zusätzliche Kosten verbunden sein. Lübcke kritisiert, dass die Landesregierung bislang keine Klarheit über das weitere Vorgehen geschaffen habe.
„Seit Jahren wird über die Speicherfunktion gesprochen, aber bis heute fehlt eine klare Entscheidung des Landes. Gleichzeitig laufen die Planungen für die notwendigen Bauwerke weiter. Das passt nicht zusammen. Das Land muss jetzt sagen, was es mit dem Cottbuser Ostsee vorhat und welche Kosten damit verbunden sind“, sagt Lübcke.
Beim nächsten Braunkohlenausschuss am 10. September will sich die LEAG zu den weiteren Planungen äußern. Lübcke erwartet, dass dabei auch die mögliche Speicherfunktion, die Wasserverluste und die Konsequenzen für das geplante Auslaufbauwerk konkret behandelt werden.
„Es geht nicht nur um ein einzelnes Bauwerk. Es geht um die Frage, welche Rolle der Cottbuser Ostsee künftig im Wasserhaushalt der gesamten Lausitz spielen kann. Diese Entscheidung muss fallen, bevor Fakten geschaffen werden“, sagt Lübcke.
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Pegellatte am Einlaufbauwerk
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Informationstafel der LEAG am Cottbuser Ostsee
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