Wie Brandenburg von dem Milliardenprojekt profitieren kann
Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke hat gemeinsam mit der forschungspolitischen Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, Ayşe Asar aus Hessen, und der Hamburger Bundestagsabgeordneten Linda Heitmann das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg besucht. Im Mittelpunkt stand die geplante Weiterentwicklung des Teilchenbeschleunigers PETRA III zu PETRA IV. Lübcke ist Obfrau im Forschungsausschuss des Deutschen Bundestages und dort unter anderem für die Hightech Agenda der Bundesregierung und für Großforschungsinfrastrukturen zuständig.
PETRA III gehört bereits heute zu den leistungsfähigsten Anlagen seiner Art. Nach Angaben des DESY belegt der Teilchenbeschleuniger weltweit Platz vier. Die führenden Anlagen befinden sich derzeit in den USA und China. PETRA IV soll zur leistungsstärksten Anlage der Welt werden.
Sie soll Materialien und biologische Strukturen mit bislang unerreichter räumlicher und zeitlicher Auflösung untersuchbar machen. Davon können sehr unterschiedliche Forschungsfelder profitieren – von der Mikroelektronik und Quantentechnologie über neue Energie- und Werkstoffe bis zur Biotechnologie. Der Wissenschaftsrat hat PETRA IV im März 2026 als international herausragendes und für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Deutschland strategisch bedeutendes Vorhaben bewertet und eine baldige Umsetzung empfohlen.
„PETRA IV ist eine große Chance für den Forschungsstandort Deutschland. Mit der Anlage können Forschende Materialien und biologische Strukturen in bislang unerreichter Genauigkeit untersuchen. Das eröffnet neue Möglichkeiten u.a. für die Mikroelektronik und die Biotechnologie. PETRA IV kann Deutschland in diesem Forschungsfeld an die Weltspitze katapultieren“, sagt Lübcke.
Das Potenzial zeigt sich beispielsweise bei der Untersuchung von Mikrochips. Eine vollständige zerstörungsfreie Analyse würde mit PETRA III derzeit mehr als ein Jahr dauern. PETRA IV soll dies innerhalb weniger Tage ermöglichen. Statt bislang rund 3.500 Forschenden könnten die Anlage künftig etwa 10.000 Menschen pro Jahr nutzen. Auch Unternehmen können Zugang zu der Großforschungsanlage erhalten.
Begleitet wurde der Austausch von Prof. Dr. Christian Stegmann, Direktor für Astroteilchenphysik und Leiter des DESY-Standorts Zeuthen. Mit seinem Standort in Zeuthen ist das DESY selbst ein wichtiger Teil der Brandenburger Wissenschaftslandschaft. Von PETRA IV profitieren auch Hochschulen, Forschungseinrichtungen und innovative Unternehmen aus Brandenburg. Die Vergabe der begehrten Messzeit erfolgt nach wissenschaftlicher Qualität der Anträge.
Lübcke sagt: „Für Brandenburg ist entscheidend, dass unsere Wissenschaft und unsere innovativen Unternehmen Zugang zu Forschungsinfrastrukturen auf Weltniveau haben. Dafür setze ich mich im Bundestag ein.“ Die Gesamtkosten werden derzeit auf rund 2,1 Milliarden Euro geschätzt. Die Inbetriebnahme ist für 2032 vorgesehen. Zwischen dem Bund und Hamburg laufen noch Verhandlungen über die Finanzierung.
„Die Vorbereitungen laufen seit Jahren. Jetzt braucht das DESY eine verbindliche Entscheidung. Bund und Hamburg müssen den Finanzierungsschlüssel zügig klären. Weitere Verzögerungen gefährden den Zeitplan und Deutschlands Anschluss an die internationale Spitze“, so Lübcke.
Für Lübcke ist PETRA IV zugleich ein konkretes Beispiel dafür, was eine erfolgreiche Hightechpolitik leisten muss: „Technologieführerschaft entsteht nicht allein durch Skalierung und Industrialisierung marktreifer Anwendungen. Sie beginnt dort, wo wir neue Erkenntnisse gewinnen und Dinge messen können, die heute noch niemand messen kann. Deshalb gehören Investitionen in Großforschungsanlagen wie PETRA IV ins Zentrum einer glaubwürdigen Hightechpolitik“, sagt Lübcke.
Beim Besuch informierten sich die Abgeordneten auch über das Innovation Village des DESY, in dem Ausgründungen aus der Forschung mit Büro-, Werkstatt- und Laborflächen unterstützt werden. Mit der derzeit entstehenden Innovation Factory baut DESY dieses Modell weiter aus und bringt Grundlagenforschung, angewandte Forschung, Start-ups und Unternehmen gezielt an einem Ort zusammen.
Lübcke sieht darin auch Anregungen für Brandenburg: „Mich hat beeindruckt, wie selbstverständlich hier Spitzenforschung, Technologietransfer und Gründungen zusammengedacht werden. Wir diskutieren viel darüber, wie aus guten Forschungsergebnissen schneller neue Produkte und Unternehmen entstehen können. Dafür braucht es aber nicht nur Förderprogramme, sondern Orte, an denen Forschende, Gründerinnen und Gründer und Unternehmen tatsächlich zusammenkommen, Labore und Infrastruktur nutzen und Ideen gemeinsam weiterentwickeln können. Davon können wir in Brandenburg lernen.“