Bündnisgrüne für ein gemeinsames Programm für Berlin und Brandenburg
Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke und der Berliner Abgeordnete Andreas Otto (beide B90/Die Grünen) haben das Menschenrechtszentrum Cottbus besucht. Zuvor besichtigten sie die Ausstellung „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ am Cottbuser Hauptbahnhof. Die Ausstellung erinnert an den Bahnhof als Ausgangspunkt nationalsozialistischer Deportationen. Im Menschenrechtszentrum informierten sich Lübcke und Otto über die politische Verfolgung während der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur. Ein Rundgang führte durch das frühere Gefängnis. Außerdem sprachen die Abgeordneten mit der Gedenkstättenleitung über die politische Bildungsarbeit.
„Die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern finden in einer politisch angespannten Zeit statt. Umfragen lassen einen deutlichen Rechtsruck erwarten“, sagt Andrea Lübcke und mahnt: „Menschen vergessen zu leicht, welches Leid menschenverachtende Ideologien angerichtet haben. Teile dieser Geschichte werden von rechten Demagogen ausgeblendet oder bewusst umgedeutet. Deshalb müssen wir die Erinnerung wachhalten. Aus der Vergangenheit zu lernen, hilft dabei, Gefahren für die Demokratie zu erkennen. Das Erstarken rechter Kräfte macht politische Bildung noch wichtiger. Erinnerungsorte zeigen, wie schnell Menschenrechte verloren gehen können.“
„Berlin und Brandenburg sind durch die Geschichte von NS-Verfolgung und SED-Unrecht eng miteinander verbunden. Viele Biografien reichen über die heutige Landesgrenze hinweg. Deshalb tragen beide Länder gemeinsam Verantwortung für die Erinnerung und die politische Bildungsarbeit“ sagt Andreas Otto.
Der Cottbuser Hauptbahnhof und das frühere Zuchthaus stehen für unterschiedliche Kapitel deutscher Geschichte. Während der NS-Zeit wurden Menschen verfolgt und deportiert. In der SED-Diktatur waren im Zuchthaus Cottbus zahlreiche Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Die Aufarbeitung macht das jeweilige Unrecht sichtbar und wahrt die historischen Unterschiede.
Die Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Heide Schinowsky, berichtete von der wachsenden Bedeutung der politischen Bildungsarbeit. Das Zentrum erreicht jährlich rund 6.500 Besucherinnen und Besucher. Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr. Viele Schulklassen kommen aus Cottbus und der Region. Einige reisen aus dem angrenzenden Sachsen an. Die Bildungsangebote greifen aktuelle Entwicklungen auf. Besonders gefragt ist aktuell ein Workshop zu manipulierten Inhalten im Internet und Künstlicher Intelligenz. Junge Menschen lernen dort, zweifelhafte Informationen zu erkennen und kritisch zu prüfen. Das Menschenrechtszentrum hat vor kurzem für seine Bildungsarbeit eine zusätzliche halbe Stelle erhalten.
Schinowsky verwies auf die besondere Wirkung des historischen Ortes. Schülerinnen und Schüler nehmen die frühere Haftanstalt anders wahr als ein Bildungsangebot im Klassenzimmer. „Der Ort macht das“, fasste sie ihre Erfahrungen zusammen.
Lübcke und Otto sprechen sich auch für ein gemeinsames Programm von Berlin und Brandenburg aus. Es soll mehr Schulklassen den Besuch historischer Orte ermöglichen. Die Kosten für die Anreise sollen übernommen werden.
Lübcke sagt: „Alle Schülerinnen und Schüler sollten mindestens einmal einen Ort nationalsozialistischer Verfolgung und des SED-Unrechts besuchen. Die öffentliche Hand muss solche Besuche ermöglichen und die notwendigen Kosten übernehmen. Historisches Lernen gehört zum Schutz unserer Demokratie.“ Otto ergänzt: „Gemeinsame Bildungsangebote können mehr junge Menschen erreichen. Davon profitieren auch kleinere Gedenkstätten außerhalb der großen Städte.“
Hintergrund
Das Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. ist Träger der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus in der Bautzener Straße. Das Gelände wurde von 1860 bis 2002 als Haftanstalt genutzt. Während der nationalsozialistischen Herrschaft waren dort politische Gefangene inhaftiert. Später nutzte die SED-Diktatur das Gefängnis zur Inhaftierung politischer Gegnerinnen und Gegner.
Ehemalige politische Häftlinge gründeten den Verein im Jahr 2007. Seit 2011 ist das Menschenrechtszentrum Eigentümer des ehemaligen Gefängnisses. Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus wurde 2012 eröffnet.
Ausstellungen vermitteln die Geschichte des Ortes. Zeitzeugengespräche geben den früheren Gefangenen eine Stimme. Das Menschenrechtszentrum ist ein wichtiger Bestandteil der Gedenkstättenlandschaft in Berlin und Brandenburg.