Die Bundesregierung will den Wolf per Gesetzentwurf als jagdbare Tierart ins Bundesjagdgesetz aufnehmen. Nach der Debatte am Mittwoch, 14. Januar 2026, wurde der Entwurf in den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat verwiesen und soll dort weiter beraten werden.
Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert die Pläne deutlich: „Dieser Gesetzentwurf ist aktionistische Symbolpolitik. Er schützt Weidetiere nicht – und er gefährdet den Artenschutz.“ Eine pauschale Bejagung könne die Lage sogar verschärfen. „Wenn Leittiere getötet werden und Rudelstrukturen zerfallen, steigt das Risiko von Übergriffen auf Weidetiere.“ Besonders problematisch sei zudem die vorgesehene Jagdzeit von Juli bis Oktober, weil Wolfswelpen in dieser Phase häufig noch auf ihre Eltern angewiesen seien – und sich die Jagd damit auch gegen besonders schutzbedürftige Jungtiere richten könne.
Lübcke warnt außerdem vor einer faktischen Entmachtung des Umweltressorts und vor rechtlichen Risiken: „Der Wolf ist eine geschützte Art. Wenn Entscheidungen künftig an Fachlichkeit und EU-Recht vorbeigeplant werden, ist Ärger vorprogrammiert – auch in Form von Klagen.“ Stattdessen brauche es eine Politik, die Weidetierhalter*innen wirklich unterstützt: „Wer Weidetiere schützen will, muss endlich Herdenschutz stärken – mit mehr Mitteln, weniger Bürokratie und praxistauglichen Lösungen.“
Andrea Lübcke erhielt in ihrer Position zuvor Zuspruch von einer 19-jährigen Jugendlichen aus der Lausitz. Sie hatte sich mit einem ausführlichen Faktencheck an diverse Bundestagsabgeordnete gewandt und dafür plädiert, die Diskussion über den Wolf auf wissenschaftlicher Grundlage zu führen und wirksame Herdenschutzmaßnahmen konsequent zu stärken – statt auf Symbolpolitik zu setzen.
Lübcke sorgte dafür, dass die Jugendliche die Debatte live im Bundestag verfolgen konnte. In einem persönlichen Gespräch im Vorfeld erläuterte sie ihre zusammengetragenen Fakten und Studien. Der Faktencheck macht unter anderem deutlich, welchen enormen Nutzen der Wolf für das Ökosystem und die Gesellschaft in Deutschland liefert und dass eine reguläre Bejagung laut Forschung keine verlässliche Senkung von Nutztierrissen bringt, während Herdenschutzmaßnahmen nachweislich wirksam sind. Diesen Faktencheck hat die junge Lausitzerin zudem als ausführliches Erklärvideo umgesetzt.
„Ich bin sehr dankbar für diesen Faktencheck und das lange Gespräch. Solche gut belegten Beiträge helfen, die Debatte zurück auf Fakten und Lösungen zu lenken – statt auf Stimmung. So viel akribische Auseinandersetzung mit dem Wolf vermisse ich bei CDU und SPD. „Wer Verantwortung übernehmen will, muss sich an Fakten und Wissenschaft orientieren“, sagt Lübcke.
Mit Blick auf die kommenden Beratungen im Ausschuss sagt Lübcke: „Wir erwarten echte Lösungen: mehr Mittel für wirksamen Herdenschutz, weniger Bürokratie und verlässliche Unterstützung für Weidetierhalter*innen.“ Solange der Entwurf jedoch in seiner jetzigen Form bleibe, sei die Position der Bündnisgrünen klar: „So werden wir diesem Gesetzentwurf nicht zustimmen.“
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Link zum Faktencheck: https://drive.google.com/file/d/1iAPRVcyeEJfG0Z8IV8qNsxLLVD-1R6Hb/view?usp=sharing
Link zum Video: https://youtu.be/IY0nuouKxUs?si=cEeoOakjiGnfAtTy
Deutscher Bundestag zum Jagdgesetz
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw03-de-bundesjagdgesetz-1134372