Auch Mini-Kernreaktoren werden nicht mit Feenstaub betrieben
Anlässlich des aktuellen CSU-Vorstoßes zur Kernkraft in Deutschland erklärt die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen), Physikerin und Mitglied im Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung:
„Die Behauptung der CSU, Kernreaktoren ließen sich ohne radioaktiven Abfall betreiben, ist eine Luftnummer. Sie zeugt entweder von erheblicher Ahnungslosigkeit oder davon, dass man die Öffentlichkeit bewusst für dumm verkauft.
Auch Mini-Kernreaktoren, sogenannte Small Modular Reactors (SMR) werden nicht mit Feenstaub betrieben. Sie erzeugen hochradioaktive Abfälle – und zwar aufgrund der geringeren Brennstoffausnutzung sogar mehr pro erzeugte Kilowattstunde als Großkraftwerke.
Neue Reaktorkonzepte versprechen durchaus die bislang enorme Dauer der notwendigen Endlagerung deutlich zu reduzieren – von hunderttausenden Jahren auf Zeiträume unter 1000 Jahren. Aber wenn die CSU das als ‚Kreislaufwirtschaft‘ verkauft, dann führt sie die Menschen in die Irre.“
Geschlossene Brennstoffkreisläufe schaffen neue Sicherheitsrisiken
„Die neuen Reaktorkonzepte setzen auf geschlossene Brennstoffkreisläufe, die Castor-Transporte zwischen Kraftwerk, Aufbereitungsanlage und Brennelementfabrik notwendig machen. Dabei würden auch stärker angereichertes Uran und Plutonium transportiert, die grundsätzlich waffenfähig sind. Mit jeder zusätzlichen Anlage steigt damit auch die Zahl dieser hochsensiblen Transporte. Das ist eine qualitativ andere sicherheitspolitische Dimension als bei heutigen Kraftwerken.
Bei der CSU bleiben zudem weitere sicherheitspolitische Konsequenzen unberücksichtigt: Eine Vielzahl kleiner Anlagen ist deutlich schwerer zu kontrollieren als wenige große – gerade in einer zunehmend unsicheren Welt.
Auch wirtschaftlich ist diese Erzählung nicht haltbar: Die wenigen existierenden Projekte weltweit werden massiv staatlich subventioniert. Geschlossene Brennstoffkreisläufe erfordern neben hohen Baukosten zusätzliche Investitionen in Wiederaufbereitungsanlagen.“
Wo soll der Atommüll hin?
„Die zentrale Frage bleibt die CSU schuldig – insbesondere für die von der CSU beworbenen SMR-Konzepte. Neue Reaktorkonzepte verändern nicht nur den Zeitmaßstab der Endlagerung, sondern auch die Chemie des Abfalls – etwa durch korrosive Salzreste oder hochreaktive Kühlmittel. Dafür gibt es bislang keine erprobten Endlagerkonzepte.
Als Bündnisgrüne in Brandenburg stellen uns dieser Verantwortung und unterstützen eine wissenschaftsbasierte, transparente Endlagersuche. Was wir nicht akzeptieren, sind Vorschläge aus Bayern, die alte Atomdebatten neu aufwärmen, ohne die Entsorgungsfrage zu klären, und die Risiken und Lasten damit weiter auf kommende Generationen verschieben.“
Fortschritt entsteht, wenn wir mit der Physik arbeiten – nicht, wenn wir auf Wunder warten
„Ideologie ersetzt keine Physik: Weder ‚hocheffiziente Verbrenner‘ noch Kernkraft ohne Müll existieren außerhalb politischer Wunschbilder. Die Debatte folgt einem bekannten Muster der CSU: Politische Entscheidungen für die Kernkraft werden mit technischen Heilsversprechen begründet, die physikalisch nicht einlösbar sind. Fortschritt entsteht nur, wenn wir mit der Physik arbeiten. Wer glaubt, Naturgesetze ließen sich per Beschluss ändern, setzt auf Wunschdenken statt auf Wissenschaft.“