Andrea Lübcke im Biotechnologiepark Luckenwalde
Der Bund hat eine „Nationale Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen“ angekündigt: In den kommenden zehn Jahren sollen jährlich 50 Millionen Euro in die Forschung, Diagnostik und Versorgung von Erkrankungen wie Long Covid und ME/CFS investiert werden. „Das ist ein wichtiges Signal – aber es braucht jetzt konkrete Umsetzung vor Ort. ME/CFS und Long Covid sind keine einfachen ‚Erschöpfungserkrankungen‘, sondern komplexe, oft chronische und für viele Menschen lebensverändernde Krankheiten, die uns alle nach einer Infektion treffen kann“, sagt die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Andrea Lübcke. „Wer das auf Müdigkeit reduziert, verkennt die Realität der Betroffenen.“
Ein solcher Ort für konkrete Lösungen ist der Biotechnologiepark Luckenwalde. Lübcke, Mitglied im Bundestagsausschuss für Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung, informierte sich dort bei einem Besuch über die Arbeit des Unternehmens CellTrend – einem der weltweit führenden Labore für postinfektiöse Diagnostik. Der Standort zählt zu den innovativsten Life-Science-Zentren in Brandenburg und entwickelt Lösungen für einige der drängendsten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. In Luckenwalde wurde das weltweit erste Testsystem entwickelt, das spezifische Autoantikörper nachweist, die bei Long Covid / ME/CFS eine Rolle spielen können. Diese Technologie verbessert nicht nur die Diagnosemöglichkeiten erheblich, sondern eröffnet auch neue Wege für gezielte Therapien.
Andrea Lübcke: „Brandenburg zeigt mit Standorten wie Luckenwalde, dass Spitzenforschung nicht nur in den großen Metropolen stattfindet. Hier wird an Lösungen gearbeitet, die Betroffenen echte Hoffnung geben.“
Hintergrund: Warum Long Covid / ME/CFS eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist
Long Covid und ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) sind schwere, oft chronische Erkrankungen, die in Folge von Infektionen entstehen können. ME/CFS tritt nicht nur nach SARS-CoV-2-Infektionen auf – Long Covid wird zunehmend als eine spezielle Ausprägung von ME/CFS verstanden.
Vor der COVID-19-Pandemie waren in Deutschland bereits rund 250.000 Menschen betroffen, darunter etwa 40.000 Kinder. Durch die Pandemie hat sich die Zahl stark erhöht: Aktuellen Schätzungen zufolge leben heute etwa 650.000 Betroffene in Deutschland (Stand 2024).
Viele leiden unter starker Erschöpfung, Atemnot, Schmerzen, kognitiven Einschränkungen oder Belastungsintoleranz. Rund die Hälfte der schwer Erkrankten verliert ihre Arbeitsfähigkeit. Ein Viertel ist so stark beeinträchtigt, dass eine normale Teilhabe am Alltag kaum noch möglich ist – manche sind dauerhaft bettlägerig.
Trotz der enormen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen – die volkswirtschaftlichen Kosten werden auf bis zu 60 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt – fehlt es vielerorts noch immer an wirksamen Therapien und ausreichenden Versorgungsstrukturen.
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